Geschichte von der Rose - "Ich sehe dich"

Foto: privat

Die Rose ist ein schönes Zeichen für die Liebe. Als solche taucht sie in einer Begebenheit auf, die vom Dichter Rainer Maria Rilke erzählt wird. Auf seinen mittäglichen Spaziergängen kam Rilke immer an einer alten Bettlerin vorbei. Nie gab er ihr ein Geldstück. Auf die Frage seiner Begleiterin, warum er nichts gebe, antwortete er: „Wir müssen ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“ Eines Tages legte er eine Rose in die abgezehrte Hand der Bettlerin. Diese blickte plötzlich auf, küsste seine Hand und ging fort. Eine Woche lang blieb sie verschwunden. Dann saß sie wieder wie früher auf ihrem Platz. „Wovon mag sie all die Tage, da sie nichts erhielt, gelebt haben?“ fragte die Begleiterin. Und Rilke antwortete: „Von der Rose!“ 1)

Eine anrührende Geschichte, die Rilke da schildert. Und so schön sie auch ist, so ist es doch klar, dass wir zum Überleben eine Grundversorgung brauchen. Von der Rose allein können wir nicht leben.

Von der Rose als Zeichen der Liebe aber konnte die alte Bettlerin tagelang zehren, weil sie erlebte: „Da ist einer nicht vorübergegangen an mir! Da hat mich einer liebevoll angesehen!“ Die blühende Rose gab ihr für einige Tage Mut zum Leben.

Diese schöne Geschichte zeigt mir, dass es Lebenssituationen gibt, in denen wir merken, dass wir mehr als Nahrung und materielle Dinge brauchen. Das wusste schon der Beter im Psalm 102,5: „Ich vergesse sogar, mein Brot zu essen.“

Der Mensch sehnt sich nicht nur nach Geld und materiellem Besitz; er will mehr. Materielle Dinge sind zwar notwendig, doch allein davon kann er nicht leben. Es gibt noch andere Dinge, die das Leben lebenswert machen: Zuwendung, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung. – Wir brauchen aber noch etwas Anderes: „Worte, die aus Gottes Munde kommen.“ (Matthäus 4,4)

1) Aus: „Vom zärtlichen Menschen", von J. Bill, Kath. Bibelwerk, Stuttgart.

Elisabeth von Thüringen - Schutzpatronin der Caritas

Die Legende vom Rosenwunder ist ein häufiges Motiv in der bildenden Kunst. Sie erfasst jedoch nicht, wie sehr Elisabeth von Thüringen durch ihren Mann unterstützt wurde. Tafelbild eines Altars, Steiermark, um 1525 (Quelle: Wikipedia)

„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Diese Lebensweisheit schrieb mir vor vielen Jahren meine Klassenlehrerin ins Poesiealbum. Als Zehnjährige konnte ich damals die Bedeutung dieses Spruches noch nicht verstehen. Heute fasse ich den Spruch weniger als moralischen Zeigefinger, als vielmehr eine Einladung auf, mich in meinem Verhalten an Jesus Christus zu orientieren, der wirklich „hilfreich und gut“ war.

Der Name Jesus heißt übersetzt: Gott rettet. An Gottes Stelle lässt er sich von Leid und Not des Menschen anrühren. In Wort und Tat zeigt er uns, wie nahe uns Gott ist. Die Menschen um Jesus erlebten, wie er Blinde und Lahme heilt, wie er auch die befreit, die von dunklen Gewalten niedergedrückt werden. Jesus sieht die Not der Menschen und geht auf sie alle zu, geht nicht an ihnen vorbei.

Der „hilfreiche und gute“ Menschensohn Jesus ist umher gegangen und hat Gutes getan. So wird Jesus in der Apostelgeschichte einfach geschildert (vgl. Apg 2,22f.).  Das zeigt uns: Es geht um den Menschen. Die Art, wie Jesus Mitmenschlichkeit praktiziert hat, lädt auch uns ein, gut zu anderen zu sein, an ihrer Not nicht vorbeizugehen und uns dabei von ihm inspirieren zu lassen.

Jesus sagt: "Ich bin gekommen, um zu dienen" (Mt 20,28). Wie kein anderer diente er uns Menschen.

Denken wir in diesem Monat an Elisabeth von Thüringen, die den Armen gedient hat und damit den „hilfreichen und guten“ Jesus in ihrem Leben Wirklichkeit werden ließ.

Psalm 53: Es gibt keinen Gott

Foto: privat

Am Anfang des 53. Psalms heißt es: Nur der Tor sagt: „Es gibt keinen Gott.“

Wer Gott sucht und sich bemüht, ihn mit wissenschaftlichen Methoden zu erforschen, kann nicht gewiss sein, ob es Gott tatsächlich gibt. Gott lässt sich mit naturwissenschaftlicher Herangehensweise, auch nicht mit einem Mikroskop entdecken.

Wer sich aber nicht zufrieden gibt mit dem, was er sieht, wer seine Augen und Ohren aufmacht und über die Schönheit der Blumen, über das Wunder des Lebens und über die Ordnung in der Natur staunen kann, der spürt, hier erlebe ich etwas von der Größe und Herrlichkeit des Schöpfers.

Legt man zum Beispiel ein simples Samenkorn unter das Mikroskop, zeigt es uns, wie raffiniert es konstruiert ist. Was sich da den Augen unter dem Mikroskop zeigt, ist ein Wunder, etwas, das nicht wir hervorgebracht haben.

So sehr auch Gott unendlich und uns ein Geheimnis ist, so lässt er sich doch von uns finden und teilt sich uns als Schöpfer von Erde und All mit.

Wenn auch „das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist“ (Saint Exupery), so können wir doch mit unserem Verstand Hinweise auf einen Schöpfer finden, „denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen (Weish 13,5; 1 Röm 1,20).

Wer also über die Wunder unserer Welt staunen kann, der weiß: Gott begegnet mir überall. Der Apostel Paulus möchte darauf aufmerksam machen, wenn er sagt: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg 17,22-28).

Psalm 46: Gott unsere Burg

Burg Burghausen; Foto: Stimmer

„Der Herr der Heerscharen ist mit uns, der Gott Jakobs ist unsere Burg“ (Psalm 46,4; Gotteslob Nr. 653,5). Dreimal wird Gott im Psalm so genannt.

Eine Burg war in vergangenen Zeiten ein Ort, wohin man fliehen konnte. Dort konnte man sich vor Gefahren in Sicherheit bringen. Ähnlich wie Küken sich unter den Flügeln der Henne bergen, fand man Schutz in der Burg (siehe dazu: Matthäus-Evangelium 23,37).

Im Psalm ist die Burg ein bildhafter Vergleich für Gott, „dem bewährten Helfer in allen Nöten“ (Psalm 46,1). Es ist ein Bekenntnis zur Menschenfreundlichkeit Gottes. Der Beter hat wohl schon viel Gutes mit Gott erlebt.

Der Beter schenkt Gott sein Vertrauen und flieht in seiner Bedrängnis zu ihm. Und er hat die Erfahrung gemacht: Gott ist der, der verlässlich und für mein Leben ein fester Grund ist. Bei ihm bin ich sicher wie in einer Burg.

In den Stürmen unserer gegenwärtigen Zeit kann dieses Zeugnis des festen Gottvertrauens eine Ermutigung sein, sich Gott anzuvertrauen und auf seine Rettung zu hoffen.

Gedanken zu... Gertrud Luckner: Nah am Nächsten

Wir brauchen nur die Tageszeitung durchblättern oder uns in unserer Umgebung umschauen, dann begreifen wir, dass es in der Welt Menschen braucht, die für andere Verantwortung tragen. Vor allem wir Christen sollten das auch tun. Gerade an uns sollte man merken, dass wir etwas von Jesus gelernt haben, von ihm, der kam, um uns zu dienen (Lk 22,24-30). Zahllose Menschen hoffen darauf, dass wir ihnen auf irgendeine Weise dienen.

Gott sei Dank gibt es in unseren unsicheren und überspannten Lebensverhältnissen beispielhafte Menschen, die uns dazu Mut machen. Darunter Dr. Gertrud Luckner (geb. 1900 in Liverpool), Mitarbeiterin beim Deutschen Caritasverband.

Ihre „bedeutendste Leistung... ist sicherlich die Hilfe, die sie während des Dritten Reiches in Deutschland für Juden geleistet hat. Dank ihrer internationalen Kontakte rettete sie viele Menschen und unterstützte unzählige Deportationen“ (Quelle: Erzbistum Freiburg).

Am 7. September 1995 ist sie in Freiburg gestorben. – Ähnliches hat Jesus wohl gemeint, als er zu seinen Jüngerinnen und Jüngern vom „Dienen“ sprach.

„Nah am Nächsten, um seine Last zu teilen – Gott im Menschen will unsre Wunden heilen. Nah am Nächsten, da wird das Wort lebendig, da ist Gott mitten unter uns.“ (Kathi Stimmer-Salzeder, 1999)

Gedanken zu... Elisabeth von Dijon: Stille - Nähe Gottes erfahren

„Mir scheint, dass nichts von Gott ablenken kann, wenn man ausschließlich für Ihn da ist, stets in seiner Gegenwart, unter seinem göttlichen Blick, der in die letzten Tiefen der Seele dringt. Auch mitten in der Welt kann man Ihn in der Stille eines Herzens, das ganz ihm gehören will, vernehmen.“1

Das schreibt die hochmusikalische Elisabeth Catez (1880-1906)2 vor ihrem Eintritt in den Karmel von Dijon (1901). Schon als kleines Kind hatte sie herausgefunden, dass es für sie schön war, wenn sie Christus in der Stille – auch mitten im Getriebe der Welt – nahe war. Im Schweigen lauschte sie auf ihre innere Stimme, die sie als Gottes Stimme erkannte. Wie Jesus ließ sie in der Stille Gott, den Vater, zu Wort kommen. Und was sie da hörte war für sie schön und machte sie glücklich.

Ihre Erfahrung lädt uns ein, den Alltag mal kurz zur Seite zu legen und still zu werden, um gemeinsam mit Jesus Christus seinen und unseren Vater zu treffen. Diese Erfahrung machten und machen viele Menschen. In der Stille richten sie sich auf Gott aus und spüren, wie sie zu sich kommen und zu dem Menschen werden, der sie sein könnten. Im Lauschen auf die innere Stimme wird ihnen bewusst, dass Gott nahe ist, ihnen Ruhe und Kraft gibt, um dann das Leben wieder mutig und zuversichtlich anzupacken.

Elisabeth von Dijon sagt uns, dass wir Gottes Stimme auch mitten im Getriebe der Welt vernehmen können, wenn wir nur „hören“ wollen. Die Kunst besteht darin, sich bewusst Ruhe zu gönnen und innezuhalten. Das funktioniert nicht problemlos, das muss man lernen und einüben. Elisabeth übte schon als junges Mädchen, in der Stille auf ihre innere Stimme zu hören und dabei Gottes Nähe zu erfahren. Mitten im Getriebe der Welt können auch wir diese beglückende Erfahrung machen, wenn wir „hören“ wollen.

Quellen:

1 https://www.imagomundi.biz/elisabeth-von-der-heiligsten-dreifaltigkeit-eli

2 https://www.heiligenlexikon.de/BiographienE/Elisabeth_Catez.html

Gedanken zu... Teresa von Avila: Glaube schenkt Leben

Jeder von uns kennt die Sehnsucht nach Leben. Alle wünschen wir uns ein Leben in Fülle: lange leben, glücklich, gesund und und und. Könnten wir doch sagen: Jetzt ist es erfüllt, jetzt bin ich rundum zufrieden und brauche nichts mehr.

Und daher fangen wir an, unter allen Umständen unsere Sehnsucht, die Wünsche und Bedürfnisse zu stillen. So nehmen wir, was wir kriegen können und hetzen und jagen nach den angebotenen Glücksverheißungen und meinen: Das wäre das Leben!

Aber kein Licht ohne Schatten. Die Nebenwirkung dieser Überfülle ist es, dass uns ein Gefühl der inneren Leere überfällt. Menschen, die so im Überfluss leben, beginnen sich zu fragen: Ist das ein Leben in Fülle? Sie spüren: Es fehlt etwas Wesentliches.

Was ist ein Leben in Fülle dort, wo uns das Glück verlässt und wir schwer erkrankt oder verarmt sind? Spätestens dann überlegen wir: Ist das ein Leben in Fülle?

Auf der Suche nach Antwort erkennen wir, “Leben in Fülle" - das muss etwas anderes sein. Da geht es um Lebensqualität über Leistung und Konsum und über die Lebensjahre hinaus.

Um diese Qualität des Lebens geht es Jesus:  „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Das ist sein Auftrag. Darum hat Gott seinen Sohn Jesus in unsere Welt geschickt. Jesus spricht oft von diesem anderen Leben - einem Leben, das uns nichts und niemand, nicht einmal der Tod nehmen kann, einem "Leben in Fülle". Darum geht’s bei diesem Wort: Dass wir einen Halt haben, der uns trägt. Dass unser Leben nicht bedeutungslos ist.

Auf der Suche nach diesem Lebensanker kommen auch die gescheiten Bücher nicht ohne den Glauben aus.

Wir brauchen glaubhafte Wegbegleiter, die uns den Weg zu einem erfüllten Leben weisen. Teresa von Avila hat es uns vorgelebt und möchte uns lehren, was es heißt, wirklich erfüllt zu leben. Für sie ist erfülltes Leben ein Leben, das durchdrungen ist von der Begegnung mit Gott, geprägt ist durch Berührung zwischen Gott und Mensch.

Auf einem Gebetszettel, den sie in ihr Gebetbuch eingelegt hatte, heißt es: „Nada de turbe, nada te espante“. Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich! Denn: „Solo Dios! Basta!“. „Allein Gott genügt“.*) Und der Glaube an ihn schenkt Leben. Ein Leben in Fülle.

*) Quellen:

www.bistum-essen.de/fileadmin/bereiche/ruhrbischof/50_Jahre_Karmelkloster_u._500_Jahre_hl._Teresa_v.pdf

www.karmelocd.de/geschichte-und-spiritualitaet/gott-nur-genuegt.html

Gedanken zu... Matthias Claudius: Die richtige Perspektive

„Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Bedrängnis, beharrlich im Gebet“ (Röm 12,12), schrieb der Apostel Paulus vor fast zweitausend Jahren. Damals schon wusste er, wie vergänglich und bedroht das Leben ist. In unserer Gegenwart erleben wir das besonders durch das lebensbedrohliche Coronavirus, das die Bevölkerung der Erde so sehr ängstigt und vor den Folgen fürchten lässt.

In dieser heillosen Corona-Krise waren wir eingeladen zum sog. „Balkonsingen“, um uns Mut und Hoffnung zu machen. Allabendlich sangen Menschen erst zaghaft und leise, dann immer lauter: „Der Mond ist aufgegangen“. - Das Abendlied steht unter der Nummer 93 im Gotteslob.

Als Matthias Claudius (1740-1815) den Text zum Lied schrieb, lebte er mit seiner Frau und neun Kindern hart am Rande der Not. Armut, Leid, Krankheit und Tod waren in dieser Zeit gegenwärtig, auch in der Familie Claudius. Mitten hinein in das bedrohte Leben schreibt er, sich Trost und Kraft von Gott erbittend: „Der Mond ist aufgegangen.“

Das hat er nicht nur so geschrieben. Er lebte in dem Vertrauen: Gott macht alles gut.

Matthias Claudius glaubte fest daran, dass unser Leben nicht im Irdischen und Alltäglichen aufgeht, sondern hinweist auf ein Größeres, dorthin, wo unsere Hoffnung nicht enttäuscht wird.

Wie er lebte und was er in festem Glauben annahm, war die Antwort auf die Frage danach, wo wir Menschen letztlich unsere Sicherheit und unseren Sinn finden: in Gott oder in unseren Leistungen und Aktivitäten?

Claudius hatte den Mut, sich Gott zu überlassen und ganz im Vertrauen auf Gott zu leben. Er war sich gewiss: In allem, was mir begegnet, bin ich geborgen in seiner Treue. Und auf sein unerschütterliches Vertrauen mag er als Antwort von Gott her erfahren haben: „Er war mir treu, so will ich ihn retten!“ (Psalm 91,14)1.

1 Jerusalemer Bibel

 

Gedanken zu... Robert Schumann: Frieden braucht Versöhnung

Jedes Jahr begeht die Europäische Gemeinschaft am 9. Mai ihren “Europatag”. An diesem Tag gedenken wir Europäer, dass wir in Frieden und Freiheit miteinander leben.

Anstoß zu diesem Gedenktag gab der französische Politiker Robert Schumann (1886-1963), dem vom EU-Parlament der Titel “Vater Europas” verliehen wurde. Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verkündete er am 9. Mai 1950 seine Erklärung für ein vereintes Europa. Die Idee einer Europäischen Föderation war geboren. Nach Jahrhunderten blutiger und sinnloser Auseinandersetzungen sollte damit jeder Krieg zwischen Frankreich und Deutschland unmöglich werden und die europäischen Staaten in Solidarität und Frieden leben können.

Mit seiner Initiative leistete der Politiker und Staatsmann eine bedeutsame Arbeit für die Schaffung und Erhaltung des Friedens. Sein politisches Engagement verstand der gläubige Katholik Schumann als Mitwirkung an der Solidarität und Geschwisterlichkeit, die Gott in Jesus selbst praktiziert und verkündigt hat. (Mt 5,23f; 6,12)

Schumann, der zunächst Priester werden, dann aber auf Anraten als Jurist in Politik und Welt wirken wollte, war im Glauben überzeugt, dass Christus wiederkommen wird, um den endgültigen Frieden zu bringen.

Für diesen verheißenen, vollkommenen Frieden aber will Christus von uns auch eine Vorarbeit. Als solche ist Schumanns Engagement für Europa zu verstehen. Schumann hatte die Hoffnung, dass Friede möglich ist und das Böse mit dem Guten besiegt werden kann (Röm 12,21). Aus der Sicht des Glaubens drängte es Schumann, das zu unternehmen, was im Sinne Gott ist: Gott will Frieden und nicht Krieg. (Lk 2,14) Orientiert am Lebensprogramm Jesu, der Gottes Willen verkörpert und offenbart, arbeitete er daran, dass Versöhnlichkeit und Toleranz als Bedingungen des Friedens verwirklicht werden.

Quelle: www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Robert_Schuman.html

Gedanken zu... Carlo Acutis: Patron des Internets

Sie nennen ihn „Computergenie“, weil er wie ein Informatiker den Computer zu programmieren vermochte. Man nennt ihn auch „Cyber-Apostel“ oder „Influencer Gottes“, weil er seine Computerfähigkeiten nutzte, um Zeugnis davon zu geben, dass ein frohes und glückliches Leben mit dem Glauben an Gott gelingen kann, auch in lebensbedrohlicher Krankheit. Das war seine Berufung.

Sein Name ist Carlo Acutis (1991-2006). Carlo, ein italienischer Jugendlicher, hatte eine außergewöhnliche Begabung für Informatik. Schon als Zehnjähriger gestaltete er seine eigene Homepage und die Website für seine Pfarrgemeinde.

Außergewöhnlich war auch seine Liebe zu Jesus Christus, dem er in der Kommunion ganz nahekommen und ähnlich werden wollte. Sein Sehnsucht war es, immer in Freundschaft mit Jesus zu leben. Ihm zu gefallen, war seine Leidenschaft.

Vom ersten Augenblick seines Lebens an sind wir als einmalige Personen von Gott geschaffen und nicht dazu bestimmt, eine Nummer oder künstlich verformte Persönlichkeit zu werden. Als Original sollen wir mit unseren Charismen etwas Einmaliges zu dieser Welt beitragen.

Mit einem Stichwort, das Carlo Acutis sich für sein Leben gegeben hatte, wollte er darauf aufmerksam machen: "Wir kommen alle als Originale auf die Welt, aber viele von uns sterben als Fotokopien."

Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat dazu einmal folgende kleine Geschichte erzählt:

"Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: Sussja, warum bist du nicht Mose gewesen?

Man wird mich auch nicht fragen: Warum bist du nicht David gewesen? In der kommenden Welt wird man mich fragen: Sussja, warum bist du nicht Sussja gewesen?

(Martin Buber: Chassidische Geschichten)

 

Quellen:

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Carlo_Acutis.html

www.miracolieucaristici.org

www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/spirituelles/grossechristen/article/86768.html

Gedanken zu... Sebastian Kneipp: Der Wasserdoktor

Wörishofen war einmal ein kleines Dorf, dessen Pfarrer ein eigenes Tuberkulose-Leiden durch häusliche Wasseranwendungen vertrieben hatte. Die nach ihm benannte Kneippkur ist heute bei Stoffwechselstörungen anerkannt.

Wie ein Lauffeuer hatten sich die Heilerfolge des Pfarrers Sebastian Kneipp herumgesprochen. Immer mehr Menschen strömten nach Wörishofen, um sich von ihm kurieren zu lassen. Der Ansturm brach nicht ab. Der „Wasserdoktor“ und „Cholera-Kaplan“ behandelte die Menschen, die kein Geld für teure Medikamente oder medizinische Behandlungen hatten. Ihnen und anderen Leidgeprüften galt Kneipp als Helfer in der Not.

Sein unermüdlicher Eifer und seine Menschenfreundlichkeit ist zum Wundern und erinnert an eine Wundergeschichte, die sich im Markusevangelium (Mk 2,1-12) findet. Es ist die Erzählung von der „Heilung eines Gelähmten“. Dieser ist schwerkrank, aber er besitzt etwas, was anderen Leidgeprüften fehlt. Und das ist für mich das Wunder. Er hat nämlich Menschen, die Nächste sind und ihm beistehen. Anderen helfend nahe zu sein, ist notwendig (Not wendend) im wahrsten Sinn des Wortes.

 

Solche Nähe leuchtet am Verhalten von Pfarrer Kneipp auf. Für ihn, für den Gott der Gott des Erbarmens und der Liebe ist, war es nur konsequent, den Menschen in ihrer unglücklichen Lage beizustehen.

Kneipp war kein Zuschauer, sondern ein Helfer, den die Notleidenden als ihren Nächsten erfuhren. Und das war seine Aufgabe, seine Berufung: Ein Seelsorger für Seele und Leib zu sein.

Davon gibt er Zeugnis in seinem Buch „Meine Wasserkur“. Im Vorwort zur ersten Auflage 1886 schreibt Sebastian Kneipp: „Als Priester liegt mir vor allem das Wohl der unsterblichen Seelen am Herzen. Dafür lebe ich, und dafür will ich sterben. In den verflossenen vier Jahrzehnten [… ] haben mir indessen auch die sterblichen Leiber viele Arbeit und opfervolle Sorgen bereitet. Ich habe diese Arbeit nie gesucht. Das Kommen eines jeden Kranken war und ist mir (natürlich gesprochen) eine Last. Nur der Aufblick zu demjenigen, der vom Himmel herabgestiegen ist, unser aller Krankheiten zu heilen, und der Gedanke an die Verheißung: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen . . .; der letzte Trunk Wasser soll nicht unbelohnt bleiben" waren imstande, die naheliegende Versuchung, alle Bittgesuche ohne Unterschied des Bittstellers in jedem Falle abzuweisen, zu unterdrücken. Diese Versuchung lag umso näher, da nicht Gewinn, vielmehr unberechenbarer Zeitverlust; nicht Ehre, vielfach Verleumdung und Verfolgung; nicht Dank, sondern in gar manchem Falle Undank, Spott und Hohn meine Diäten bildeten. So mußte es gut sein, und ich bin ganz damit zufrieden.“*)

 

*) (Quelle: Kneipp, Sebastian: Meine Wasserkur: durch mehr als 40 Jahre erprobt u. geschrieben zur Heilung d. Krankheiten u. Erhaltung d. Gesundheit / von Sebastian Kneipp. Neu hrsg. u. bearb. Von Christian Frey. – 675 Tsd. – München: Ehrenwirth, 1982)

Gedanken zu... Christophorus: Ein Typ, der anpackt

„Einer trage des anderen Last!“ (Gal 6,2) So fasst der Apostel Paulus das Christenleben zusammen.

Erinnern die Worte „Last“ und „tragen“ nicht an irgendwelche Lasten, die wir mit uns herumtragen? Wieviel Last haben wir selbst und andere Menschen zu tragen: körperliche und seelische Lasten. Unterschiedlich große Lasten, die oft über die Kräfte gehen und nicht allein bewältigt werden können.

„Einer trage des anderen Last!“ Das Pauluswort erinnert auch an Christophorus, den „Christus-Träger“, der nichts dabei fand, seine starken Schultern anderen Menschen hinzuhalten und schließlich Jesus selbst zu tragen. Er trägt Jesus, der den Menschen ihre Lasten mitgetragen und abgenommen hat. Als „Lastenträger“ hat Jesus Christus für uns sein Kreuz geschleppt. Von ihm sagt der Prophet Jesaja: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und hat unsere Schmerzen auf sich genommen.“ (GL 292; Jes 53) 

Dem legendenhaften Riesen Christophorus ist das Erleben, dass er über den reißenden Fluss Christus getragen hat, für sein eigenes Leben zum Schlüssel geworden. Er hat Jesus gefunden und das hat ihn fähig gemacht, um Christus willen den Menschen zu dienen.

Und Gelegenheit dazu gibt es auch heute noch zahlreich. Nur, wer heute christlich leben und Lasten mittragen will, braucht selten mehr die starken Schultern eines Christophorus, als vielmehr den Blick für die Not der nahen und fernen Menschen und die Bereitschaft mit anzupacken.

Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Christophorus.htm

Gedanken zu... C.S. Lewis: Überrascht von Freude

Clive Staples Lewis, einer der ganz großen Denker und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts (u.a. Autor der „Chroniken von Narnia“), erzählt rückblickend über ein Erlebnis, das er an einem Abend im Magdalen College Oxford hatte: „Was ich so sehr fürchtete, hatte mich endlich eingeholt. Im Trinity Term 1929 lenkte ich ein und gab zu, dass Gott Gott war, und kniete nieder und betete; vielleicht in jener Nacht der niedergeschlagenste und widerwilligste Bekehrte in ganz England.“1) Christ war Lewis damit noch nicht, er konnte sich nur eingestehen, dass es Gott gibt.

 

Erst zwei Jahre später fand er wieder zum christlichen Glauben. Wie er berichtet geschah dies, während er mit dem Motorrad zu einem Zoo unterwegs war. „Als wir aufbrachen, glaubte ich nicht, dass Jesus Christus der Sohn Gottes sei, und als wir den Zoo erreichten, glaubte ich es.“2) Überrascht von Freude, die er im Atheismus erfolglos gesucht hatte. Seine Freude über den wiedergefundenen Glauben beschreibt C. S. Lewis spannend in seiner Autobiografie „Surprised by Joy“ – „Überrascht von Freude“.

 

C. S. Lewis ist aufgewachsen mit traditioneller christlicher Erziehung, verlor jedoch als Teenager seinen Kindheitsglauben und wurde Atheist. Erst in den 30iger Jahren fand er zum Glauben an Gott, an Jesus Christus zurück. Auf diesem Weg begleitete ihn die Sehnsucht nach Wahrheit und einem erfüllten, sinnvollen Leben; eine Sehnsucht, die ihn daran erinnert, „dass wir auf dieser Erde nicht zuhause sind, nicht ganz zuhause sind. Dass wir noch woanders hingehören und von woanders herkommen“ (Heinrich Böll).3)

 

Sein Rückweg zum Glauben war ein Weg des philosophischen Nachdenkens und vieler Gespräche mit christlichen Freunden. Besonders J. R. R. Tolkien trug wesentlich dazu bei, dass Lewis erkannte, was seine lang ersehnte Freude auslöst. Eine Freude, die in Jesus Christus ihren Halt hat. Gleich dem Apostel Paulus ist er „von Christus Jesus ergriffen worden“ (Phil 3,12). Fortan stellte C. S. Lewis sein Leben als Schriftsteller in den Dienst des christlichen Glaubens.

„Gott, du mein Gott, dich suche ich. Meine Seele dürstet nach dir.“ (Psalm 63)

Quellen: 1) http://www.kath-info.de/lewis.html; 2) ebd.; 3http://www.schneid9.de/glaube/artikel/heimweh.pdf

Gedanken zu... Agnes Neuhaus: Einmischung

Otto von Bismarck, Großindustrielle, Wirtschaftswachstum, Bankiers, adelige Herrscherhäuser und luxuriöse Badeorte: Die Wilhelminische Ära in Deutschland um 1900. “Preußens Glanz und Gloria” waren einst sprichwörtlich.

Diese Epoche war aber auch geprägt durch soziale Ächtung und Benachteiligung der ledigen Mütter und geschiedenen Frauen, der gefährdeten Mädchen und schwachbegabten Menschen.

In diesen Umständen begann Agnes Neuhaus sich einzumischen. Die katholische, spätere Sozialpolitikerin wurde 1854 in Dortmund geboren und starb 1944 in Soest (NRW). In einem katholischen Elternhaus aufgewachsen wurde sie nach christlichen Vorstellungen erzogen. Die musisch begabte Agnes studierte zunächst einige Semester Musik, heiratete dann den späteren Amtsrichter Adolf Neuhaus, mit dem sie drei Kinder hatte.

Agnes Neuhaus sah die Benachteiligung von Menschen, die durch das Raster der damaligen Vorstellungen gefallen waren, deren Bedrohung durch ansteckende Krankheiten und die Gefährdung der Jugend.

Befremdet musste sie wohl feststellen, dass die Bevölkerung diese sozialen Probleme kannte, es aber dann doch einfach geschehen ließ.

Solche Gleichgültigkeit und menschlichen Schicksale, gegen die nichts getan wurde, mussten für Agnes Neuhaus mit ihrem Verständnis und noch weniger mit dem Willen Gottes vereinbar sein (vgl. 1 Tim 2,3-4). Dass Menschen deklassiert werden, ist unmenschlich und unchristlich. Denn Christus hat sich besonders auf die Seite der Armen und Ausgestoßenen gestellt. Er hat selbst das Schicksal der Deklassierten geteilt und die Armen, die Hungernden und die Weinenden (vgl. Lk 6,20-26) „selig“ gepriesen.

„Selig die Armen!“ – dieses Wort Jesu drängte Agnes Neuhaus, sich um die „Armen“ ihrer Zeit zu kümmern und mit ihnen solidarisch zu leben. Ihre christliche Gesinnung motivierte sie, sich einzumischen. - Und sie wurde zur kreativen Fürsprecherin für die benachteiligten Menschen.

Um diesen Menschen zu helfen gründete sie 1899 den „Verein vom Guten Hirten“, der dann umbenannt wurde in „Katholischer Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kindern“. Als „Sozialdienst katholischer Frauen“ (SkF) besteht der Verein als Frauen- und Fachverband im Deutschen Caritasverband weiter.

1 Tim 2,3-4: Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter; er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.

 Quellen: https://skf-viersen.de/images/pdf/agnes_neuhaus-gruenderin_skfev_2016.pdf

https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00044105_00018.html

www.skf-zentrale.de

 

Gedanken zu... Hans Maier: gelebte Verantwortung

Abbildung des Originalbriefes; Bildnachweis. E.Jobst

15.4.45 – „Herzliche Grüße!

Nun wünsche ich Dir Gottes Segen und wenn Du mal dem Überbringer guten Rat geben kannst, tus! Es ruht auch da dann Gottes Segen drauf! Behüt Dich Gott und auf Wiedersehen! Dein Maier Hans.“

Dr. Hans Maier, Priester und Domprediger in Regensburg, schrieb diese Sätze am 15. April 1945 an den damaligen Stadtpfarrer von Straubing St. Jakob.

 

Ergreifend ist der Bericht über die Hinrichtung von Hans Maier durch die Nationalsozialisten am 25. April 1945. Am 22. April 1945 standen US-Panzerverbände schon nahe an Regensburg. Nach dem Befehl des Gauleiters der Bayerischen Ostmark sollte die Stadt bis zum letzten Stein verteidigt werden. Daraufhin versammelten sich zahlreiche, aufgebrachte Menschen, darunter viele Frauen, um die Nazi-Größen, die bereits Soldaten gegen die Demonstrierenden in Stellung gebracht hatten, zur kampflosen Übergabe der Stadt an die Amerikaner aufzufordern.

 

In dieser brisanten Situation ergriff der 38jährige Hans Maier das Wort und versuchte die Menschenmenge zu beruhigen und sie aufzufordern, keine Forderung an die Kreisleitung der NSDAP zu stellen, sondern nur eine Bitte vorzubringen; denn nur so könne eine kampflose Übergabe erreicht und größtes Unheil verhindert werden. Dr. Maier wurde auf der Stelle festgenommen und durch ein Standgericht zum Tode verurteilt. In den Morgenstunden des 25. April 1945 wurde Hans Maier öffentlich als „Saboteur“ gehenkt. Drei Tage später stellten die Amerikaner den Angriff auf Regensburg ein.

 

Im Bewusstsein, dass ihm sein Auftreten das Leben kosten kann, hat Dr. Hans Maier inmitten der Zerstörungswut sein Leben hingegeben für die Stadt Regensburg und deren Bürgerinnen und Bürgern.

 

Als Christ und Priester glaubte er, dass in Jesus Christus die gewaltlose Macht der befreienden Liebe Gottes schon angebrochen, aber noch nicht vollendet ist (Markusevangelium 1,15). Zu ihrer endgültigen Durchsetzung sind alle Getauften von Jesus zum Mittun ermuntert. Bewegt vom empfangenen Geist Gottes wagte Hans Maier dafür sein Leben – in der Zuversicht, dass die Liebe Gottes unter uns Menschen wachsen kann.

 

Quellen: https://www.bistum-regensburg.de und www.heiligenlexikon.de

 

Gedanken zu... Lidwina: Innere Reserven

Es war ein klarer, sonniger Wintertag. Das Eis hatte das Wasser des Schie bei Rotterdam erstarren lassen. Lidwina, ein ausnehmend schönes 15jähriges Mädchen, ging mit ihren Freundinnen auf das Eis zum Schlittschuhlaufen. Da geschah es, mitten im übermütigen, lustigen Treiben, dass Lidwina unglücklich stürzte und sich dabei mehrere Rippenbrüche zuzog. Das war der Anfang eines unsagbaren Leidens. In den folgenden 37 Lebensjahren war sie durch schmerzvollste Krankheiten ganz ans Bett gefesselt.

Ja, so ist es im menschlichen Leben. Unglück und Leid sind immer gegenwärtig. Lachen und Weinen wechseln einander ab wie auch große und kleine Krisenzeiten.

Jahrelang liegt Lidwina verzweifelt und mutlos in ihren unsäglichen Schmerzen und weiß nicht, wie sie mit ihrem Leben fertig werden könnte.  Alles ist sinnlos, tot in ihr.

Sie verhält sich so, wie sich wohl jeder Mensch in einer schweren Krise verhalten würde. Zunächst baut sie auf eigene und andere menschlichen Kräfte und erkennt, dass das ihr Leid nicht wegnimmt.

In ihrer verzweifelten Lage entdeckt sie ihren Glauben, in dem sie Trost und Linderung findet. Von Kindheit an hat sie Glaubensreserven zurückgelegt durch Gebet und Lektüre der Bibel, um so auf den Tag vorbereitet zu sein, an dem sie wirklich gefordert wurde.

Nun erinnert sie sich an die Todesangst Jesu am Kreuz, daran, wie er Gott, seinem lieben Vater, vertraut hat und für uns gestorben ist. Und Lidwina weiß: Gott hat ihn gerettet, ihn auferweckt – für uns.

In der Tragik ihres Lebens ist ihr dieser Glauben, ihr Gottvertrauen der Schutz gegen Verbitterung und Verzweiflung. Und Lidwina findet darin Lebenssinn und Freude, von der sie vielen Rat- und Hilfesuchenden mitteilen konnte.

Quelle: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Lidwina_Lidwiga_Lidia.html

In dem vertonten Gedicht, das im Gotteslob (Nr. 430) zu finden ist, heißt es: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag!"

Christen können darauf vertrauen. Aber nicht alle werden das so einfach beten und mitsingen können. Vielfach sind es irgendwelche Ängste, die sie daran hindern, das Lied überzeugt mitzusingen. Unruhe und Sorge begleiten sie, schrecklich Vieles bereitet ihnen schlaflose Nächte und unruhige Tage im Blick auf das Vergangene und auf das, was kommt. Ist es möglich bei so vielen bitteren und leidvollen Erfahrungen, sich geborgen zu wissen und ruhig zu werden? Gründe gäbe es genug, nicht so einfach und ehrlich zu sagen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

Verfasst hat diese Zeilen der gläubige Christ Dietrich Bonhoeffer. Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus war im Fadenkreuz der Geheimen Staatspolizei. Auf Hochverrat angeklagt sitzt Bonhoeffer im berüchtigten Gestapo-Gefängnis in Berlin-Tegel. Zu Beginn des Jahres 1945 schrieb der 38jährige Bonhoeffer aus dem Gefängnis an seine Familie und seine junge Braut dieses Gedicht: „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Als er das schreibt, wird sein Glaube auf die Prüfung gestellt. Seine Situation war lebensbedrohlich, er musste mit seiner Hinrichtung rechnen. In dieser hoffnungslosen Lage, in der er nicht mehr auf sich selbst oder auf Menschen bauen konnte, weiß er sich dennoch geborgen in Gott. Jetzt, da nach menschlichen Maßstäben nichts mehr zu erwarten, alles verloren ist, verzweifelt Bonhoeffer nicht, sondern überlässt sich glaubensstark und vertrauensvoll Gott, sodass er beten kann: „Gott ist mit mir am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Am 9. April 1945 wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. *) „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens“, waren seine letzten Worte (Rainer Jetzschmann, o.A.). Er ist überzeugt, dass Gott der Gott der Auferstehung und des Lebens ist. Die Botschaft der Bibel gibt ihm recht. 

*) In Flossenbürg gibt es eine Gedenktafel mit der Inschrift: Dietrich Bonhoeffer – ein Zeuge Jesu Christi unter seinen Brüdern. (Quelle: www.gedenkstaette-flossenbuerg.de)

Armut fordert uns Christen heraus. Tagtäglich. Sie trifft und betrifft uns. Wir können sie nicht wegdiskutieren, schönreden oder verdrängen. Sie ist da. Überall begegnet sie uns. Wenn wir aufmerksam durch unsere Gemeinde, unsere Stadt, unser Dorf gehen, wenn wir die Ränder unserer Gesellschaft aufsuchen, wenn wir genau hinschauen, uns nicht vom Schein trügen lassen, wenn wir hinter Fassaden blicken und an der Oberfläche kratzen, werden wir sie wahrnehmen.

Armut hat viele Gesichter. Sie beschränkt sich keineswegs auf Einkommensarmut. Oft genug zeigt sie sich als politische Armut oder Bildungsarmut. Sie kann absolut sein oder relativ, subjektiv und nicht selten auch verdeckt. Als Christen verschließen wir davor nicht die Augen.

Wer arm ist, dem fehlt etwas Entscheidendes: Lebensqualität. Dieser Mangel wirkt in die Lebensbereiche hinein und hat psycho-soziale Folgen. Der Verlust von Arbeit, Wohnung, Gesundheit, Heimat steht in Wechselbeziehung zu Partnerschaftskonflikten, Alkoholabhängigkeit, Kriminalität, Verlust des Lebenssinns und Selbstwerts, Hoffnungslosigkeit, Orientierungslosigkeit, Gefühl des Überflüssig-Seins, Depression, Suizidgefährdung.   

Weil niemand für sich allein stehen kann, und weil wir als Christen eine Gemeinschaft bilden, in der wir Beziehung leben, sind wir gefordert, zu sehen und zu handeln.

Not sehen heißt, die Auslöser für Krisen zu kennen: Tod, Trauer, Trennung, Verlust, Einsamkeit, Verlassenheit, Krankheit.

Not sehen heißt, den Menschen wahrzunehmen, der ohne Halt und auf sich gestellt ist, der sich in einer ausweglosen Situation befindet, Unrecht oder Unterdrückung erfährt, der sich allein nicht mehr zu helfen weiß, der kraft- und mutlos ist, sich ohnmächtig fühlt und sich selbst nichts zutraut.

Hier ist die Caritas gefragt. Mit achtsamem Blick und sensiblem Verhalten schenkt sie denen liebende Zuwendung, die nirgends dazu gehören, die gemobbt, ausgegrenzt und diffamiert werden, die nie Gehör finden, ungeliebt und unbeliebt sind, die isoliert sind, die sich einigeln, weil sie sich selbst klein machen oder von anderen klein gemacht werden.

Es gilt, die Not zu wenden! Kleine Gesten bewirken Großes. (hierzu bitte Überschrift anklicken!) Der Benediktinerpater Notker Wolf schreibt in seinem Buch "Ich denke an Sie", dass eine unscheinbare Geste oft ausreicht, um den Notleidenden wieder aufzurichten. Jesus ist dabei unser Vorbild. Wir Christen orientieren uns an seinem Handeln.  

"Nah am Nächsten beginnt das Abenteuer, Gott im Menschen, so wie ein warmes Feuer. Nah am Nächsten, da wird das Wort lebendig, da ist Gott mitten unter uns.

Nah am Nächsten, der Not ganz nahe rücken, Gott im Menschen - so kann uns Hilfe glücken. Nah am Nächsten, da wird das Wort lebendig, da ist Gott mitten unter uns." (Kathi Stimmer-Salzeder)

Susanne Stimmer